Sexualität im eigenen Beruf verankern

Berufsbilder Sexualität im eigenen Beruf verankern

Die meisten, die am ISP eine Ausbildung beginnen, wollen ihren Beruf nicht verlassen. Sie wollen etwas können, das darin bisher gefehlt hat. Diese Seite beschreibt den Weg, der am häufigsten gegangen und am seltensten beschrieben wird.

Auf dieser Seite: Warum die Rolle entsteht · Wie sie aussieht · In welchen Berufen · Was es für die Rechnung bedeutet · Welcher Lehrgang

Warum diese Rolle entsteht

In fast jeder Institution gibt es eine Situation, für die niemand zuständig ist.

Eine Bewohnerin im Heim hat eine Beziehung, das Team ist uneins. Eine Patientin fragt nach der Krebsbehandlung, ob Sex wieder möglich ist, und niemand antwortet. In einer Schulklasse kursiert ein Bild, und die Lehrperson weiss nicht, ob das ein Vorfall ist oder Pubertät.

Diese Situationen kommen regelmässig vor, und Institutionen behandeln sie als Einzelfälle, weil ihnen die Zuständigkeit fehlt. Wer sie übernimmt, füllt eine reale Lücke und wird meist gefragt, sobald bekannt ist, dass er es kann.

Das ist die Mission des ISP, von der anderen Seite betrachtet: Niemand soll mit einer sexuellen Frage allein bleiben, weil die Fachperson gegenüber keine Sprache dafür hat.

Wie die Rolle aussieht

Selten als volle Stelle, meist als Anteil und als Funktion.

  • Ansprechperson im Team für Fragen, die vorher niemand stellen konnte.
  • Fallberatung bei konkreten Situationen, als fachliche Einordnung und nicht als Therapie.
  • Interne Schulungen, oft ein bis zwei Tage im Jahr für neue Mitarbeitende.
  • Konzeptarbeit an Schutzkonzepten, Umgangsregeln und Haltungspapieren. Das ist der Teil, den Leitungen am schnellsten bewilligen, weil er auch aufsichtsrechtlich verlangt wird.
  • Ansprechperson nach aussen gegenüber Angehörigen, Behörden und gesetzlichen Vertretungen.
Team an einem gemeinsamen Arbeitstisch

In welchen Berufen

  • Pflege und Langzeitbetreuung, als Fachperson für sexuelle Gesundheit im Heim, in der Spitex, auf der Abteilung. Der Diplomlehrgang Sexualtherapie nennt dieses Feld ausdrücklich, inklusive Teamschulungen.
  • Schule, als Lehrperson, die den Sexualkundeunterricht übernimmt und Kolleg:innen berät.
  • Soziale Arbeit und institutionelle Betreuung in Wohngruppen, Werkstätten und Heimen. Das ISP arbeitet hier seit der Gründung 1998.
  • Medizin, von Gynäkologie und Urologie über Onkologie bis zu Hausarztmedizin und Hebammenarbeit. Überall dort, wo sexuelle Fragen regelmässig auftreten und selten Zeit dafür ist.
  • Psychologie und Psychotherapie, als Erweiterung um das Thema, das in den meisten Ausbildungen zu kurz kommt.

Was das für die Rechnung bedeutet

Dieser Weg verändert die Investitionsfrage.

Wer eine Praxis aufbauen will, rechnet mit einem Einkommen, das erst entstehen muss. Wer die Kompetenz in die bestehende Stelle einbringt, rechnet anders: Das Einkommen ist da, die Ausbildung erweitert die Rolle, und Arbeitgeber beteiligen sich häufiger an den Kosten, wenn ein Nutzen für die Institution erkennbar ist.

Das ist zugleich das Argument, mit dem man eine Weiterbildung intern begründet. Nicht «ich will mich persönlich entwickeln», sondern «wir haben regelmässig Situationen, für die uns die Fachlichkeit fehlt, und ich übernehme das».

Welcher Lehrgang passt

AusgangsberufNaheliegender Weg
Schule, Jugendarbeit, KitaDiplomlehrgang Sexualpädagogik
Pflege, Betreuung, InstitutionSeminarreihe Sexualität und Behinderung, dann Sexualpädagogik
Psychologie, Beratung, MedizinDiplomlehrgang Sexualtherapie
mit Bachelor, forschungsnahMaster of Arts in Sexologie

Die Formate reichen vom einzelnen Kurstag bis zum Master. Kleinere Formate werden nicht an grössere angerechnet. Ihr Wert liegt darin, dass man Haus, Dozierende und Methode kennenlernt, bevor man über eineinhalb bis dreieinhalb Jahre entscheidet.

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