Sexualkunde unterrichten

Sexualkunde ist im Lehrplan 21 kein Fach. Die Kompetenzen liegen über mehrere Fachbereiche verteilt, und wer sie unterrichtet, steht meistens allein vor zwei Fragen: Was gehört in welches Alter, und was tue ich, wenn ein Kind mitten in der Stunde etwas erzählt, das nicht in die Stunde gehört?

Auf dieser Seite steht, was der Lehrplan verlangt, woher brauchbares Material kommt und wie sich die heiklen Momente vorbereiten lassen. Dazu zwanzig Blätter zum Herunterladen: kostenlos, ohne Anmeldung, zum Weitergeben.

Auf dieser Seite: Lehrplan 21 · Material für den Unterricht · Einsatz anfragen · Vier Stolpersteine · Wenn es heikel wird · Material für Fachpersonen · Weitere Quellen · Was eine Ausbildung ändert

Was der Lehrplan 21 verlangt

Die Kompetenzen zu Sexualität, sexueller Gesundheit und sexuellen Rechten liegen im Fachbereich Natur, Mensch, Gesellschaft. Im 3. Zyklus kommen Natur und Technik sowie Ethik, Religionen, Gemeinschaft dazu.

Ausformuliert sind die Kompetenzen ab der 3. Klasse. Davor besteht der Auftrag ebenfalls, ist aber allgemeiner gehalten, was in der Praxis viel Spielraum lässt.

  • NMG.1.4 Aufbau und Funktion des menschlichen Körpers
  • NMG.1.5 Wachstum und Entwicklung, mit den Teilkompetenzen a bis h
  • NMG.1.6 Geschlecht und Rollen
  • NMG.10.2 Freundschaft und Beziehungen
  • NT.7.3 Fortpflanzung und Verhütung, 3. Zyklus
  • ERG.1.1, ERG.5.2, ERG.5.3 Werte, Normen und Umgang mit Vielfalt, 3. Zyklus

Was das für die Planung heisst: Weil die Kompetenzen verteilt sind, gibt es keine Lektion mit dem Namen Sexualkunde. Es gibt Anknüpfungspunkte in mehreren Fächern, und es liegt bei der Lehrperson, sie zu erkennen.

Eine Kompetenz wird dabei oft übersehen. NMG.1.5 d verlangt, dass Kinder Fragen und Unsicherheiten zur Sexualität äussern können. Das ist eine Zusage an die Klasse, die eingelöst werden muss. Deshalb ist die Frageschachtel nicht nur eine Methode, sondern Teil des Auftrags.

Material für den eigenen Unterricht

Acht Blätter für Lehrpersonen, die eine Sexualkundewoche vor sich haben. Jedes steht für sich und ist ohne Vorbereitung einsetzbar.

  • Was in welches Alter gehört. Schlagen Sie in einer Minute nach, ob ein Thema in Ihrer Klasse schon dran ist. Die WHO-Standards und der Lehrplan 21 nebeneinander, mit den Kompetenzcodes, die Sie am Elternabend zitieren können. PDF, 4 Seiten.
  • Brief an die Eltern. Der fertige Elternbrief, der keine Unterschrift verlangt und die Frage nach Dispensation entschärft, bevor sie jemand stellt. Mit dem Bundesgerichtsentscheid, den Sie brauchen, wenn doch ein Gesuch kommt. PDF, 4 Seiten. Auch als Word-Vorlage zum Anpassen.
  • Bevor Sie Sexualkunde unterrichten. Finden Sie Ihre wunden Punkte, bevor Ihre Klasse sie findet. Zwölf Fragen, zwanzig Minuten, niemand liest mit. PDF, 3 Seiten.
  • Körper wahrnehmen statt Körper beurteilen. Sechs Übungen, die ohne Spiegel, Fotos und Rückmeldungen von anderen auskommen. Sonst spricht eine Lektion über Schönheitsideale am Ende doch wieder über Bewertung. PDF, 5 Seiten.
  • Konsens als Wahrnehmung. Was seit dem 1. Juli 2024 im Sexualstrafrecht gilt und warum «Nein heisst Nein» im Unterricht zu kurz greift. Mit einer Doppellektion für den 3. Zyklus. PDF, 4 Seiten.
  • Sprache für Körper und Lust. Eine Wortliste für das, was Jugendliche spüren. Für ihre Geschlechtsorgane haben sie zwei Wortschätze, einen klinischen und einen derben. Für alles andere haben sie keinen. PDF, 3 Seiten.
  • Zwölf Methoden ohne Material. Eine Lektion, die trägt, auch wenn der Beamer nicht läuft. Mit erprobten Aussagen zu jeder Methode, getrennt nach Zyklus 2 und 3. PDF, 5 Seiten.
  • Glossar der Sexualpädagogik. 79 Begriffe, die Sie im Team, im Elterngespräch und im Bericht brauchen. Auf dem Stand des Sexualstrafrechts seit dem 1. Juli 2024. PDF, 7 Seiten.

Lieber jemanden kommen lassen?

Manche Themen sind leichter zu behandeln, wenn sie nicht von der Person kommen, die auch die Noten setzt. Das ISP vermittelt sexualpädagogische Einsätze an Schulen und Institutionen. Durchgeführt werden sie von Absolventinnen und Absolventen des ISP und von Fachpersonen aus unserem Netzwerk, abgestimmt auf Alter, Entwicklungsstand und Anlass.

Mögliche Themen: Körper und Pubertät, Beziehungen und Grenzen, Vielfalt und Identität, digitale Medien und Sexting, Konsens und Prävention. Ebenso Elternabende und Weiterbildungen für Teams.

Die Anfrage ist unverbindlich. Die Einsätze sind kostenpflichtig; nach Eingang Ihrer Anfrage erhalten Sie eine Offerte.

Die vier Stolpersteine

  • Zu spät aufklären. In vielen Klassen wird über Menstruation gesprochen, wenn sie bei den ersten Mädchen bereits eingesetzt hat. Die WHO-Standards setzen das Wissen davor an, und dafür gibt es einen guten Grund: Wissen, das erst nach dem Ereignis kommt, nimmt die Angst nicht mehr weg.
  • Die Frageschachtel aufstellen und nicht leeren. Wer Fragen einsammelt und dann nicht alle beantwortet, hat ein Versprechen gebrochen. Beim nächsten Mal schreibt niemand mehr etwas auf.
  • Über den Körper als Bild sprechen statt als Empfindung. Schönheitsideale, Werbung, Bildbearbeitung: Eine Doppellektion darüber hat am Ende über Bewertung gesprochen. Was fehlt, ist die Wahrnehmung von innen.
  • Bei Schutz und Risiko stehen bleiben. Wer nur Verhütung und Infektionen behandelt, überlässt die Frage, wie Sexualität sich anfühlt, dem Bildschirm.

Wenn es heikel wird

Die Frage, die Lehrpersonen vor einer Sexualkundewoche wirklich umtreibt, betrifft nicht den Stoff. Sie lautet: Was tue ich, wenn ein Kind mitten in der Stunde etwas erzählt, das nicht in die Stunde gehört? Drei Dinge helfen, und alle drei lassen sich vorher regeln.

  • Den Ablauf vorher klären. Wer ist an Ihrer Schule die erste Ansprechperson, und ist sie in der Sexualkundewoche erreichbar? Diese Frage gehört vor die Woche, nicht in den Moment.
  • Einen Satz bereitlegen für die Frage, die Sie nicht beantworten wollen. Zum Beispiel: «Das ist eine gute Frage, und ich beantworte sie nicht, weil sie mich persönlich betrifft.» Das ist keine Ausflucht, sondern ein Modell dafür, wie man eine Grenze zieht, ohne jemanden abzuweisen.
  • Die eigenen wunden Punkte kennen. Ruhe im Moment entsteht nicht aus der Vorbereitung des Stoffs, sondern daraus, dass man vorher weiss, bei welcher Frage man selbst rot wird.

Wenn ein Kind etwas erzählt, das auf eine Gefährdung hindeutet, gilt ein anderer Ablauf: zuhören, nichts versprechen, was sich nicht halten lässt, gleichentags aufschreiben, und Fachberatung holen, bevor gehandelt wird. Die Nummern dazu stehen im Blatt Anlaufstellen nach Kanton.

Material für sexualpädagogische Einsätze

Zehn Blätter für Fachpersonen, die von aussen in eine Klasse kommen, Elternabende halten oder in Institutionen arbeiten. Für Lehrpersonen lohnen sich vor allem das erste und das zweite.

  • Die Fragebox. Die Sätze, mit denen Sie auf jeden Zettel antworten können, auch auf den, vor dem Sie sich fürchten. Mit zehn Fragen, die in jeder Klasse kommen. PDF, 3 Seiten.
  • Anlaufstellen nach Kanton. 53 Opferhilfe-Beratungsstellen in allen 26 Kantonen, dazu die nationale Nummer 142, die seit dem 1. Mai 2026 rund um die Uhr erreichbar ist. PDF, 5 Seiten.
  • Der sexualpädagogische Klasseneinsatz. Ablauf für 90 und für 180 Minuten, mit den fünf Regeln, die zu Beginn gesetzt werden. PDF, 3 Seiten.
  • Auftragsklärung mit der Schule. Fragen fürs Telefon, mit denen Sie vor der Zusage merken, ob Sie einen Bildungsauftrag bekommen oder eine Reparatur. PDF, 3 Seiten.
  • Elternabend Sexualpädagogik. Ablauf für 90 Minuten und die acht Einwände, die kommen, jeder mit dem Anliegen, das dahintersteht. PDF, 3 Seiten.
  • Wenn es kippt. Zwölf Situationen, in denen ein Einsatz kippt, und der eine Satz, der Sie zurück in den Raum bringt statt in den Machtkampf. PDF, 4 Seiten.
  • Sexualpädagogik bei kognitiver Beeinträchtigung. Sechs Grundsätze, eine Wortliste in Leichter Sprache und die Frage, die den Unterschied macht: nicht «Dürfen die das?», sondern «Wie begleiten wir das?». PDF, 3 Seiten.
  • Sexuelle Rechte in der Institution. Zwölf Fälle für die Teamsitzung, einer pro Sitzung, zwanzig Minuten, ohne Vorbereitung. PDF, 6 Seiten.
  • Sexualpädagogisches Konzept. Neun Abschnitte samt Formulierungen, damit Ihr Team entschieden hat, was gilt, bevor um zweiundzwanzig Uhr jemand vor einer geschlossenen Zimmertür steht. PDF, 4 Seiten. Auch als Word-Vorlage zum Anpassen.
  • Fallbesprechung in 45 Minuten. Wie Sie den Fall, der Ihnen seit drei Wochen nachgeht, mit vier Kolleginnen so besprechen, dass er nachher nicht mehr Ihnen allein gehört. PDF, 3 Seiten.

Weitergabe erwünscht. Die Blätter dürfen Sie im Kollegium, im Team und an Eltern weitergeben, ausdrucken und im Intranet ablegen. Sie sind Information und ersetzen keine Rechtsberatung; das ISP übernimmt keine Haftung für die Richtigkeit.

Woher weiteres Material kommt

In der Schweiz gibt es brauchbare kostenlose Quellen. Man muss sie kennen und wissen, wofür sie taugen.

  • PH Zürich Planungshilfen nach Zyklus, am Lehrplan 21 entlang. Kommentierte Linklisten, kein eigenes Material.
  • Berner Gesundheit Fertige Lektionseinheiten, Plakate zu den sexuellen Rechten und vier Medienlisten. Die grösste frei zugängliche Sammlung der Deutschschweiz.
  • feel-ok.ch Fünfzehn Arbeitsblätter zu Verhütung, Menstruation, Pornografie sowie Sexualität und Gesetz. Die Antworten stehen auf der Website, die Blätter führen dorthin.
  • zebis Material von Lehrpersonen für Lehrpersonen, mit Lizenzangabe. Achtung: Vieles steht unter einer Lizenz, die kommerzielle Nutzung ausschliesst.
  • Sexuelle Gesundheit Schweiz Der Referenzrahmen für die Deutschschweiz, mit den kantonalen Unterschieden.
  • Lehrplan 21 Die amtliche Übersicht «Sexualkundlicher Unterricht im Lehrplan 21», zwei Seiten, mit allen Kompetenzcodes.

Ein Hinweis zum Urheberrecht: Frei herunterladbar heisst nicht frei weiterverbreitbar. Das meiste dieser Materialien dürfen Sie im eigenen Unterricht verwenden, aber nicht weitergeben oder auf die eigene Website stellen. Für die Blätter auf dieser Seite gilt das Gegenteil.

Was eine Ausbildung ändert

Material findet man. Was Material nicht ersetzt, ist Sicherheit im Moment: zu wissen, wie man auf eine Frage reagiert, die nicht im Plan stand, und wo die eigene Grenze verläuft.

Der Diplomlehrgang Sexualpädagogik richtet sich ausdrücklich auch an Lehrpersonen. 18 Monate, 48 Unterrichtstage jeweils mittwochs, berufsbegleitend. Ein wesentlicher Teil ist Selbsterfahrung, nicht als Beiwerk, sondern weil niemand souverän über etwas unterrichtet, mit dem er selbst fremdelt.

Am Infoabend erklären wir den Lehrgang in zweieinhalb Stunden, online und kostenlos. Wir sagen dort auch, für wen er nicht das Richtige ist.

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