Franziska Ziegler untersucht in der Masterarbeit «Magnificent Sex» am ISP. Die Arbeit entstand 2022 im Jahrgang MA3 des Master of Arts in Sexologie und steht als Volltext frei zur Verfügung.
Wenn Menschen ihre herausragendsten sexuellen Erlebnisse schildern, greifen sie zu zwei Sprachen gleichzeitig: der spirituellen — Ekstase, Eins-Werden, allumfassend, auflösend — und der derben: geil, scharf, giga. Dazwischen liegt eine Lücke, und diese Arbeit macht sie zum Thema.
Warum fehlen die Worte?
Die Begriffe, mit denen über Sexualität gesprochen wird, stammen entweder aus medizinischen Fachbüchern oder aus der Alltagssprache. Dazwischen gibt es wenig.
Die Arbeit zitiert dazu die Forschungsgruppe um Peggy Kleinplatz: Man kämpfe mit einem Mangel an Worten, um die Essenz sexueller Erfahrungen zu erfassen — und es sei nicht verwunderlich, dass viele Menschen Schwierigkeiten hätten, ihre Sexualität zu verbessern, wenn ein guter Fahrplan und ein angemessenes Vokabular fehlten, um zu beschreiben, wohin sie wollen.
Genau hier setzt die Autorin an. Wer beschreiben will, was er anstrebt, braucht Begriffe dafür — und Modelle, die diese Begriffe verorten.
Was bringt das Modell Sexocorporel dazu bei?
Es liefert klar abgegrenzte und zugleich miteinander vernetzte Komponenten und Dimensionen. Damit lassen sich Schilderungen strukturieren, statt sie zwischen Fachbegriff und Kraftausdruck stehen zu lassen.
Die Ausgangsannahme der Arbeit lautet, dass Menschen mit Sexocorporel-Erfahrung ihre herausragenden Momente anders beschreiben — mit stärkerem Blick auf den Einsatz des eigenen Körpers.
Der Theorieteil arbeitet dafür die drei Dimensionen der Bewegung heraus: Tonus, Rhythmus und Raum, wobei der Raum den inneren Raum der Atmung und den äusseren Raum umfasst.
Was macht herausragenden Sex aus?
Die Arbeit knüpft an die international beachtete Untersuchung der Forschungsgruppe um Peggy Kleinplatz zu «Magnificent Sex» an — einer Studie, die nicht nach Störungen fragt, sondern nach dem Gelingen.
Geprüft wird die Annahme in vier qualitativen Interviews mit Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen. Die Auswertung erfolgt nach Mayring.
Für die Beratung ist der Ansatz deshalb interessant, weil er die übliche Richtung umkehrt. Wer weiss, woraus sich gelingende Sexualität zusammensetzt, kann daran arbeiten — statt nur ein Problem zu beseitigen.
Wie belastbar sind diese Ergebnisse?
Vier qualitative Interviews mit Menschen, die bereits körperorientiert an ihrer Sexualität gearbeitet haben. Diese Auswahl ist der Fragestellung geschuldet — und begrenzt zugleich, was sich verallgemeinern lässt.
Ob Menschen ohne diese Erfahrung ihre herausragenden Momente tatsächlich anders beschreiben, prüft die Arbeit nicht: Eine Vergleichsgruppe gibt es nicht. Sie zeigt, wie diese Gruppe spricht, nicht dass es an der Methode liegt.
Die Arbeit im Original
Die vollständige Masterarbeit umfasst 102 Seiten. Sie enthält den Forschungsstand zu herausragenden sexuellen Erlebnissen, die Darstellung der körperlichen Faktoren nach dem Modell Sexocorporel, die vollständige Auswertung der vier Interviews sowie Überlegungen zu Grenzen und weiterführender Forschung.
Abstract der Arbeit
«Magnificent Sex» – Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen In der vorliegenden Masterarbeit wird untersucht, wie Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen, herausragende Momente in ihrer Sexualität und die dazu beisteuernden Faktoren beschreiben. Ausgehend von den qualitativen Befragungen der Forschungsgruppe rund um Peggy Kleinplatz zu «Magnificent Sex», entstand die An- nahme, dass Menschen, die körperorientierte Übungen im Zusammenhang mit dem Modell Sexocorporel gemacht haben, bei ihren Beschreibungen den Fokus auf den Einsatz ihres Körpers richten. Der Literaturteil der Arbeit widmet sich den herausragenden sexuellen Er- lebnissen und den beisteuernden körperlichen Faktoren, wie sie im Modell Sexocorporel erwähnt werden, also den drei Dimensionen der Bewegung (Tonus, Rhythmus, Raum: in- nerer Raum der Atmung und äusserer Raum). In vier qualitativen Interviews wird die Haupt- fragestellung erforscht und die damit verbundene Annahme überprüft. «Magnificent Sex» – Outstanding sexual moments and contributing factors in people who have experience with the Sexocorporel model. This master's thesis examines how people who have experience with the Sexocorporel mo- del describe outstanding moments in their sexuality and the factors contributing to them. Based on the qualitative interviews conducted by the research group around Peggy Klein- platz on "Magnificent Sex", the assumption arose that people who have done body-oriented exercises in connection with the Sexocorporel model focus on the use of their body in their descriptions. The literature part of the paper is dedicated to the outstanding sexual experi- ences and the contributing bodily factors as mentioned in the Sexocorporel model, that is the three dimensions of movement (tone, rhythm, space: inner space of breathing and outer space). In four qualitative interviews the main question is explored and the related assump- tion is verified.
Franziska Ziegler, Abstract der Masterarbeit, 2022
Angaben zur Arbeit
Titel
Magnificent Sex : Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen
Verfasst von
Franziska Ziegler
Abschluss
Master of Arts in Sexologie, ISP in Kooperation mit der Hochschule Merseburg, Jahrgang MA3
Jahr
2022
Themen
Sexuelle Zufriedenheit · Sexocorporel
Lizenz und Nachweis. Franziska Ziegler: «Magnificent Sex : Herausragende sexuelle Erlebnisse und dazu beisteuernde Faktoren bei Menschen, die über Erfahrungen mit dem Modell Sexocorporel verfügen». Masterarbeit, Hochschule Merseburg und ISP, 2022. Der Abstract ist im Wortlaut übernommen. Die übrigen Angaben stammen vom ISP Zürich.
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Weiterführend
- Master of Arts in Sexologie, der Studiengang, aus dem diese Arbeit stammt
- Diplomlehrgang Sexualtherapie
- Diplomlehrgang Sexualpädagogik